Zurück zu Andachten

Alles egal?

Die Wohnung zu putzen ist frustrierend. Die Böden sind gewischt, die Spiegel von den Abdrücken der Finger befreit. (Wie kämmen sich manche die Haare, frage ich mich, daß da regelmäßig Fettflecke auf dem Spiegel landen?) Während ich noch die Armatur des Waschbeckens blank putze, denke ich bereits an nächste Woche. Da beginnt das Ritual von vorne. Wozu eigentlich putzen, wenn sowieso wieder alles dreckig wird?

Im größeren Maßstab macht sich der Autor des Buches Prediger die gleichen Gedanken: Welchen Sinn und welches Ziel hat unser Leben? Natürlich hat alles seine Zeit. Säen hat seine Zeit genauso wie das Ernten. Das ist bekannt. So bekannt, daß es immer wieder in Andachten positiv aufgegriffen wird. Die Frage bleibt aber bei allem, was regelmäßig wiederkehrt: Wozu müht sich der Mensch ab im Leben (3,10)? Soll es so sein, wie Epikur, ein griechischer Philosoph des 3. Jh. v.Chr. empfiehlt? Mach dir das Leben schön und genieße es. Tu worauf du Lust hast und vermeide alle Schwierigkeiten. Setze dich in deinen schönen Garten und vergiß, was dahinter passiert. Warum soll man sich vergeblich abmühen? Im Sinne Epikurs wäre auch das Putzen vergebliche Mühe: Die Böden werden wieder dreckig, die Spiegel fettig, die Waschbecken fleckig.

Dann hat der Prediger einen neuen Gedanken. Der lautet so:

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Prediger 3, 11

Neben der Vergänglichkeit, die alle Mühe vergeblich erscheinen läßt, gibt es die Ewigkeit Gottes. Natürlich kann der Mensch sie nicht ergründen, aber er ist von ihr berührt. Ein Hauch dessen was bleibt, wohnt in seinem Herzen. Das Herz ist der Wohnort, nicht das Gehirn oder die Hände oder der Magen. Das Bleibende ist kein brillanter Gedanke, überragende Tat oder besonders leckeres Mittagessen. Es ist das, was Gefühl, Verstand und Seele zusammenbringt. Was uns zusammenbringt.

In unseren Herzen werden wir gestreift vom Hauch dessen, den wir den Ewigen nennen. Er kommt uns nahe und unsere Herzen sind es, die sich wie ein Reflex nach mehr sehnen. Mehr göttliche Berührung. Mehr göttliche Nähe. Wir können sie nicht ergründen, aber wir können sie einander schenken. Bleibend ist deshalb, wenn wir einander nahekommen.

Mit dem Herzen sehen wir manche Dinge klarer, als mit dem Verstand. Gott, der uns seine Nähe schenkt und zusagt: Du bist gewollt in dieser Welt, weil ich dich gewollt habe. Dieses Wohlwollen Gottes einander zu glauben und zu zeigen wünsche ich uns.